egger gil

Neue Technologieunternehmen machen uns das Leben einfacher. Sie meinen es jedenfalls. Das begann mit dem Fernsehen. Zu festgesetzten Zeiten vollbringt ein Mann oder eine Frau etwas, das wir auch ohne diese Helfer erreichen können, indem wir eine Zeitung lesen – mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit, etwa in 30 Minuten. Sogar wenn wir nicht sehr schnell lesen, haben wir dann mehr gelernt als vor dem Bildschirm. Sicherlich sind die Vorteile des letzteren Mediums die Bilder. Sie sind aber gleichzeitig eine Falle. Ohne Kamera vor Ort entsteht keine Information – oder fast keine. Dies setzt sich schleichend durch die intelligenten Handys fort. Sie suggerieren ihren Informationsfluss.

Durch Analyse der Informationsflut, welche man anklickt, glauben die grossen Unternehmen zu wissen, was man mag oder nicht mag, was man sucht, was man will oder nicht will. Sie bieten uns eine Menge von Dingen an, die uns nicht interessieren. Ihre Zielsetzung ist nie, uns zu informieren, sie wollen unser Vertrauen erschleichen. Sie versuchen, uns auf ihre Apps zu locken. Dies betrifft nicht nur die Information, sondern auch das soziale Netzwerk, unsere Begegnungen und den Besuch von Veranstaltungen.

Die Technologie kann uns das Leben erleichtern. Was mich betrifft – ich fühle mich ohne GPS völlig verloren. Mein Orientierungssinn ist in der Nähe der absoluten Null. Aber ich mag nicht, dass man meine Wünsche und Geschmacksrichtungen vorausplant, dass man mir ein Restaurant empfiehlt wenn ich keinen Appetit habe. Wenn ich essen will, werde ich eins aussuchen, ich könnte aber auch mir nahe stehende Personen um Rat bitten, eine Empfangsdame des Hotels, einen Geschäftsmann oder ähnliche, die mich ebenso gut beraten könnten wie die interaktiven Datenbanken.

Es ist Zeit mit der Vereinfachung unseres Lebens aufzuhören. In diesem Sinn enthalten Zeitungen oder Zeitschriften etwas Einmaliges. Sie weisen uns auf vieles hin, was wir nicht brauchen, liefern uns Informationen, die wir aus eigenem Antrieb nicht suchen würden, wenn sie nicht vor unsern Augen lägen. Wir können dann umblättern. Eine Sache wird aber nie von diesen Algorithmen eingefangen: Unsere Fantasie, die unglaubliche Veränderlichkeit unserer Neugier. Die raffiniertesten Analysen werden es nie schaffen, ein Inventar der Dinge zu erstellen, die wir in einer gegebenen Zeitspanne haben möchten. Sie werden glücklicherweise niemals unsere menschliche Natur erfassen, unsere Untreue, unsere Kapriolen, manchmal für alles offen, manchmal ganz unzugänglich. In diesem Sinne ist eine Zeitung oder Zeitschrift unersetzbar. Diese Medien bieten allen alles an. Mögen sie uns erhalten bleiben.

Gil Egger, Präsident