Die SRF-Radioprogramme bieten thematisch breite und vielfältig aufbereitete Informationen, interpretieren den Programmauftrag aber unterschiedlich. Ihre Leistungen zur Förderung der kulturellen Identität sind höher einzustufen als ihr Beitrag zum Austausch zwischen den Sprachregionen.

Im Rahmen der kontinuierlichen Analyse der Radioprogramme der SRG SSR im Auftrag des BAKOM untersuchte Publicom 2014 die Programme der Deutschschweiz. Berücksichtigt wurden die sechs Vollprogramme von SRF hinsichtlich ihrer konzessionsrechtlich relevanten Programminhalte anhand einer künstlichen Woche zwischen August 2014 und Januar 2015.

Die sechs Programme (SRF, 1,2 und 3, sowie SRF 4 News, Virus und Musikwelle) repräsentieren vier unterschiedliche Programmkonzepte: vom Full-Service-Format (SRF 1) über das klassische Begleitradio (SRF 3) bis zum Newsradio SRF 4. Die Sendefamilie ist programmkonzeptionell, vor allem aber bezüglich Musikformate, weitgehend komplementär aufgestellt und kommt so auf hohe Reichweiten und Marktanteile.

 

Hohe Aufbereitungsqualität, thematische Vielfalt und Ausgewogenheit

Information gehört zu den Kernkompetenzen von Radio SRF. Dies drückt sich nicht nur im Umstand aus, dass eines der Programme (SRF 4 News) fast ausschliesslich Informationen ausstrahlt und dass weitere SRF-Programme (SRF 1, SRF 2 Kultur) der Information ein sehr hohes Gewicht einräumen. Es zeigt sich auch darin, dass für die formale Aufbereitung dieser Informationen in der Regel ein hoher Aufwand betrieben wird. Insbesondere die wortstarken Programme bemühen sich, Fakten in Zusammenhänge einzuordnen und Hintergründe auszuleuchten. Sie setzen dabei auch auf anspruchsvolle journalistische Formen, Korrespondentenberichte, Experteninterviews oder Reportagen vor Ort. Allerdings gibt es bezüglich Aufbereitungsqualität beträchtliche Unterschiede zwischen den Programmen. SRF 3 und SRF Virus konzentrieren Informationen vermehrt auf einfach gebaute Nachrichtenbulletins, in denen primär Fakten vermittelt werden.

Obwohl die einzelnen Programme thematische Schwerpunkte aufweisen, bieten sie alle ein breites und ausgewogenes Themenspektrum. Die Themenvielfalt innerhalb der SRF-Programmfamilie bedeutet jedoch nicht unbedingt Ereignisvielfalt. Vielmehr führt die zentrale Aufbereitung der Information dazu, dass die Sender mehr oder weniger dieselben Ereignisse abhandeln, allerdings in unterschiedlicher Darstellungstiefe.

Die Absicht, das innenpolitische Meinungsspektrum ausgewogen abzubilden, ist in den SRF-Radioprogrammen klar zu erkennen. Es fällt jedoch auf, dass Parteien, die nicht im Bundesrat vertreten sind, – mit Ausnahme der Grünen – kaum zu Wort kommen.

Kann sich ein Durchschnittspublikum, das die Programme selektiv nutzt, aber auch einen Überblick über das Meinungsspektrum zu verschiedenen Themen verschaffen? Dies wäre dann der Fall, wenn in einem gegebenen thematischen Kontext auch auf kontroverse Meinungen und andere Perspektiven verwiesen wird. Diese Orientierungsleistung erbringen SRF 1 und SRF 4 News recht gut, während sich SRF 3 und Virus in dieser Hinsicht kaum von privaten kommerziellen Radioprogrammen unterscheiden.

 

Geringer Beitrag zum nationalen Zusammenhalt

Die Konzession verpflichtet die SRG darauf, das Wissen über die jeweils anderen Landesteile zu mehren. Dies ist indessen nur sehr bedingt der Fall. Mit Abstand am meisten Aufmerksamkeit widmen die SRF-Programmschaffenden Geschehnissen im Ausland. Breiten Raum nehmen auch nationale Ereignisse ein. Informationen, die sich mit Ereignissen in der Romandie oder im Tessin befassen, finden sich in den SRF-Programmen – mit Ausnahme von SRF 4 News und SRF Musikwelle – aber kaum. Insbesondere die italienische Schweiz findet in der Realität der SRF-Programme praktisch nicht statt. Die entsprechenden Anteile liegen – ausser bei SRF 4 News – unter einem Prozent. Systematisch behandelt eigentlich nur SRF 4 News, das dafür ein eigenes Sendegefäss eingeführt hat, die anderen Sprachregionen.

Seit 2012 hat die Beachtung der anderen Sprachregionen sogar noch etwas abgenommen. Ein von der SRG 2012 angekündigtes Integrationskonzept greift zumindest im Bereich der SRF-Radios offenbar (noch) nicht. Die Chance, dass ein durchschnittlicher Hörer eines SRF-Programms im Verlaufe einer durchschnittlichen Woche etwas über die anderen Sprachregionen erfährt, ist nach wie vor äusserst klein.

 

Breit vertretene Schweizer Musik

Die kulturelle Identität stärken die SRF-Radioprogramme einerseits über die Thematisierung von Schweizer Kultur, vor allem aber über die Musik, indem das einheimische Musikschaffen Präsentationsgelegenheiten erhält. Dies ist in allen Programmen, die Musik enthalten, der Fall – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Es ist aber erkennbar, dass der Berücksichtigung des Schweizer Musikschaffens eine Strategie zugrunde liegt, zumal der Anteil der Schweizer Musik im Vergleich zu den privaten kommerziellen Programmen meistens deutlich höher ist. Am höchsten ist der Anteil Schweizer Musik im Tagesprogramm von SRF Musikwelle, das die Sparte der Schweizer Volksmusik besonders pflegt. Aber auch SRF Virus bietet Schweizer Musikern eine attraktive Plattform: Jeder dritte gespielte Titel entstammt schweizerischer Provenienz. Auffallend ist auch, dass der Anteil an Schweizer Musik in allen Programmen nach 20 Uhr markant zunimmt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die SRF-Radios im Bereich der kulturellen Identität ein hohes, wenn auch uneinheitliches Leistungsniveau aufweisen und den medienpolitischen Zielsetzungen wohl besser gerecht werden als hinsichtlich der Integrationsleistungen.